s kommunaldialog entlastung 2018 interview josef spitzer

Wenn jeder an sich denkt, ist ja an alle gedacht?!

Bauherrenaufgaben & Projektsteuerung

„Wenn jeder an sich denkt, ist ja an alle gedacht?!“ Manchmal scheint es, als ob Projekte genau nach diesem Motto ablaufen würden. Als ob es schon irgendwie funktionieren würde, wenn alle Beteiligten einfach ihren Teil beitragen. Gründe dafür sind zum Beispiel in der Not der dünnen Personaldecken zu suchen. Dass der Aufbau der HOAI die übergreifende Projektsteuerung als lästigen Zusatzkostenfaktor erscheinen lässt, tut sein übriges dazu. Da scheint Aufklärungsarbeit und gute Organisation not zu tun. Deshalb haben wir mit Josef Spitzer, Stadt Dortmund, über Bauherrenaufgaben und Projektsteuerung gesprochen.

i2fm: Herr Spitzer, Sie sind bei der Stadt Dortmund zuständig für das Projektmanagement im Bereich der Städtischen Immobilienwirtschaft. Was sind eigentlich Bauherrenaufgaben?
Josef Spitzer: Grundsätzlich ist der Bauherr der Auftraggeber eines Bauprojekts. Er ist für das Projekt verantwortlich und trägt somit auch das Projektrisiko. Im Rahmen seiner Bauherrenaufgabe ist er für die Wahrnehmung der Projektleitung verantwortlich und er ist der zentrale Ansprechpartner im Innenverhältnis.
Die Erfüllung seiner Aufgaben und Pflichten ist die Grundlage für erfolgreiche Projekte. Bauherrenaufgaben unterteilen sich in einen „nicht delegierbaren“ und einen „delegierbaren“ Bereich.

Zu den „nicht delegierbaren“ Bauherrenaufgaben gehört es, alle Vorgaben zu Zielen, Terminen, Kostenrahmen und Qualität der jeweiligen Maßnahme vorzunehmen. Das heißt, dass der Bauherr dafür verantwortlich ist, dass ein qualifiziertes Bedarfsprofil für die Baumaßnahme entwickelt wird. Das stellt die ordentliche Planung eines Baus sicher. Dadurch bekommt man die Planänderungen in den Griff. Das sind die häufigsten Kostentreiber.

Der Auftrag für Baumaßnahmen sollte ganz am Anfang schon sehr detailliert. Das stellt die Finanzierung sicher und auch das Anforderungsprofil für Generalplaner, Architekten und Projektsteuerer. Letztlich folgt dann auch die Beauftragung der Planungsbeteiligten durch den Bauherren und die vertragliche Vereinbarung. Also kurz, der Bauherr führt das Projekt, entscheidet letzten Endes und überwacht die festgelegten Projektziele.

Insbesondere bei Förderprogrammen muss der Bauherr auch sicherstellen, dass ein übergeordnetes Controlling vorhanden ist, um die Programme rechtskonform umzusetzen. Das sind all die Bauherrenaufgaben, die man nicht delegieren kann.
i2fm: Das heißt, der Bauherr steht im Innenverhältnis dafür gerade, dass Kosten-, Zeit-, und Qualitätsvorgaben eingehalten werden.
Josef Spitzer: Genau.
i2fm: Und bei Abweichungen?
Josef Spitzer: Die Gründe für Abweichungen sind vielschichtig. Wenn die Aufgaben nicht so erfüllt werden, wie sie zu erfüllen sind, dann laufen die Kosten und Termine oft aus dem Ruder, dann werden Ziele nicht wesentlich erfüllt. Das trifft in der öffentlichen Hand leider vielfach zu. Es ja auch ein breites Spektrum an Projekten, an dem wir arbeiten.
i2fm: Was ist Projektsteuerung in Abgrenzung zu den Bauherrenaufgaben?
Josef Spitzer: Unter die Projektsteuerung fallen die ganzen delegierbaren Bauherrenaufgaben. Sie dient als Unterstützung zur Erreichung der vom Bauherrn vorgegebenen Ziele. Grundsätzlich soll die Projektsteuerung die Aufgabe ausführen, Qualitäten, Kosten, Termine sicher zu stellen. Das ist die Grundleistung. Insbesondere wenn es darum geht, die Leistungskontrolle und Qualitätssicherung in der Prüfung der Leistungsverzeichnisse vorzunehmen. Darin liegt häufig ein großes Potenzial an Nachträgen. Dazu müssen die Ziele eines Projektes im Vertragsverhältnis zum Projektsteuerer detailliert beschrieben sein.

Die Projektsteuerung stellt einen kontinuierlichen Informationsfluss im Rahmen eines Berichtswesens sicher und bereitet die Entscheidungsvorlagen im Laufe eines Projektes vor.

Die Projektsteuerungsleistung kann ich intern erbringen oder extern einkaufen. Das ist zweitrangig. Wichtig ist, dass der Bauherr selbst über die Steuerungskompetenz verfügt. Es ergibt keinen Sinn, externe Projektsteuerungsleistung einzukaufen, wenn man die Steuerungsleistung nicht beurteilen kann. Es gibt technische Projektsteuerungsanteile und kaufmännische. Insbesondere die kaufmännischen Anteile, also Kosten, Controlling, Liquiditätsplanung et cetera, sollten aus meiner Sicht in Kommunen in der eigenen Hand behalten werden. Das ist insbesondere wichtig bei der Abwicklung von Fördermaßnahmen. Fakt ist natürlich, dass Projektsteuerung, also die Bauherrenaufgaben, keine HOAI-Leistungen sind, sondern AO Leistungen.
i2fm: Ist das des Pudels Kern?
Josef Spitzer: Ja, das ist ein entscheidender Punkt des fehlenden Verständnisses für die Projektsteuerung innerhalb der öffentlichen Hand. Die HOAI-Leistungen von Architekten oder Ingenieurbüros ersetzen nicht die notwendige Steuerungsleistung in einem Projekt. Die Projektsteuerungsleistung ist eine maßgebliche Unterstützung für den Bauherren, um den Projekterfolg sicherzustellen. Das sollte nicht als lästiges „on top“ betrachtet werden.

HOAI-Leistungen müssen geführt werden. Das sind keine Selbstläufer. Oft glauben aber Bauherren, sie beauftragten doch ein Architekturbüro oder machten einen Wettbewerb und dann hätten sie einen Architekten an der Hand, der das schon alles baut. Hier ist eine viel engere Führung gefragt.
i2fm: Wie kommt es zu dem Fehlverständnis der eigenen Bauherrenrolle?
Josef Spitzer: In vielen Kommunen ist die Denkweise HOAI-lastig. Kommunen haben früher auch schon selber geplant, selber gebaut, aber das Thema Projektmanagement war kaum im Fokus.

Dabei haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte die Anforderungen und die Komplexität der Projekte um ein Vielfaches erhöht. Da reicht es nicht mehr, nur die HOAI-Leistungen zu erbringen.

Es ist wichtig die Voraussetzung für ein qualifiziertes Steuern zum Projektbeginn schon zu schaffen, sonst starten die Projekte schon mit einem Schiefstand. Und diese Fachkompetenz muss man überhaupt nicht immer extern einkaufen. Die Kommunen sollten sie im eigenen Hause vorhalten, damit die Externen dann auch entsprechend die Projekte leiten können. Die Fachkompetenz der Projektleitung gehört zum Bauherrn.
i2fm: Sehr geehrter Herr Spitzer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i2fm.

Sie treffen  Josef Spitzer auf dem Kommunaldialog Entlastung! am 22. November in Oberhausen.

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Wann & wo?

Der Kommunaldialog 2019

14.11.2019, TZU Oberhausen

Ansprechpartner

i2fm ansprechpartner bilski neuman
Katja Bilski-Neumann Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen
+49 (0) 208 594 87 19 10
bilski-neumann@i2fm.de
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