kommunaldialog entlastung 2018 interview dr langenbrinck

Entgeltentwicklung in Kommunen

Dr. Bernhard Langenbrinck, Hauptgeschäftsführer, Kommunaler Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV NW)

i2fm: Was tut sich in absehbarer Zeit bei der Entgeltentwicklung?
Dr. Bernhard Langenbrinck: Wir haben gerade in der Tarifrunde 2018 Tarifsteigerungen vereinbart, die in diesem Jahr eine Linearanhebung um 3,19 %, im Jahr 2019 um weitere 3,09 % und im Jahr 2020 um weitere 1,06 % vorsehen. Da wir im Weiteren – teilweise allerdings regional unterschiedlich – erhebliche Personalgewinnungsprobleme im Fachkräftebereich haben, haben wir seitens der kommunalen Arbeitgeber eine sog. „Fachkräfte-Richtlinie“ beschlossen, wonach ergänzend zum Tarifentgelt eine monatliche Fachkräftezulage bis zu 1.000 Euro gewährt werden kann.
i2fm: Aus den Kommunen ist oft zu hören, dass man so schlecht mit den Gehältern der Privatwirtschaft konkurrieren könne. Ist Geld alles? Mit welchen Argumenten können Kommunen als Arbeitgeber gerade bei den „heiß umkämpften“ Ingenieuren punkten?
Dr. Bernhard Langenbrinck: In heutiger Zeit ist das Entgelt nicht mehr der allein maßgebende Aspekt, um sich für eine Beschäftigung im kommunalen öffentlichen Dienst zu entscheiden. Für viele Beschäftigte spielen ein „sicherer Arbeitsplatz“ oder auch die Frage der Familien- und Lebensplanung eine große Rolle. Flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind bei kommunalen öffentlichen Arbeitgebern regelmäßig besser umsetzbar als bei privaten Arbeitgebern. Durch die neu vereinbarte Entgeltordnung für den kommunalen öffentlichen Dienst sind berufliche Karrieren – gerade auch für Quereinsteiger - besser als bisher gestaltbar. Last but not least wird angesichts des Trends einer abnehmenden Rentenhöhe in der gesetzlichen Rentenversicherung auch die Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung steigen. Hier kann sich die tarifvertraglich vereinbarte betriebliche Altersversorgung im öffentlichen Dienst wahrlich sehen lassen.
i2fm: Haben Sie Anhaltspunkte, was die Schaffung neuer Stellen in den Kommunalen Immobilienbereichen angeht?
Dr. Bernhard Langenbrinck: Vor dem Hintergrund der Wohn- und Verkehrssituation in den Kommunen rückt der „kommunale Immobilienbereich“ auch in der Stellenplanung der Kommunen immer stärker in den Fokus. Die Kommunen wissen, dass in der Stadtplanung und -entwicklung viele Projekte ins Stocken geraten, weil häufig eine Personalausstattung nicht in ausreichender Art und Weise gegeben ist. Der Bereich des kommunalen Immobilienmanagements wird aber – wie gesagt - genauso wie andere kommunale Bereiche nachhaltig vom derzeitigen Fachkräftemangel betroffen. Hier gilt es daher durch gezielte Arbeitgeberkampagnen, durch Jobbörsenmodelle, aber auch durch einen zielgerichteten Einsatz der „Fachkräftezulage“ einem Personalengpass gegenzusteuern.
i2fm: Ihre Prognose: Wird die Personallage in den Kommunen so bleiben wie sie ist? Und wie sollten Kommunen sich darauf einstellen?
Dr. Bernhard Langenbrinck: Die Personallage in den Kommunen wird mit Sicherheit nicht so bleiben wie sie ist. Ein Umstand für eine sich verändernde Personallage stellt die demografische Entwicklung dar. Durch die in absehbarer Zeit stattfindenden Abgänge der sog. geburtenstarken Jahrgänge in die Ruhestandsphase werden sich erhebliche Wiederbesetzungsbedarfe ergeben. Neue Personalentwicklungsstrategien, intensive Ausbildungsbemühungen und die Gewinnung von Quereinsteigern werden daher an Bedeutung gewinnen. Weitere erhebliche Umbrüche bei den kommunalen Arbeitgebern werden sich im Übrigen durch die Digitalisierung von Arbeitsprozessen ergeben. Viele Servicetätigkeiten werden zukünftig mit Hilfe digitaler Prozesse erledigt werden. Auf die Mitarbeiter der Zukunft werden daher verstärkt Fragen der gehobenen Sachbearbeitung sowie Leitungs- und Führungsaufgaben zukommen. Angesichts der sich verändernden Personallage werden sich Arbeitgeber insofern sicherlich nachhaltig auf die Aspekte der Personalentwicklung und Qualifizierung einzustellen haben; andererseits wird von Beschäftigten die Bereitschaft zur Aus- und Fortbildung während ihrer beruflichen Kariere gefordert sein.
i2fm: Sehr geehrter Herr Dr. Langenbrinck:, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i2fm.

  Sie treffen Dr. Bernhard Langenbrinck auf Kommunaldialog Entlastung! am 22. November in Oberhausen.

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22.11.2018, TZU Oberhausen

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