kommunaldialog entlastung 2018 interview dr langenbrinck

Entgeltentwicklung in Kommunen

Dr. Bernhard Langenbrinck, Hauptgeschäftsführer, Kommunaler Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV NW)

i2fm: Was tut sich in absehbarer Zeit bei der Entgeltentwicklung?
Dr. Bernhard Langenbrinck: Wir haben gerade in der Tarifrunde 2018 Tarifsteigerungen vereinbart, die in diesem Jahr eine Linearanhebung um 3,19 %, im Jahr 2019 um weitere 3,09 % und im Jahr 2020 um weitere 1,06 % vorsehen. Da wir im Weiteren – teilweise allerdings regional unterschiedlich – erhebliche Personalgewinnungsprobleme im Fachkräftebereich haben, haben wir seitens der kommunalen Arbeitgeber eine sog. „Fachkräfte-Richtlinie“ beschlossen, wonach ergänzend zum Tarifentgelt eine monatliche Fachkräftezulage bis zu 1.000 Euro gewährt werden kann.
i2fm: Aus den Kommunen ist oft zu hören, dass man so schlecht mit den Gehältern der Privatwirtschaft konkurrieren könne. Ist Geld alles? Mit welchen Argumenten können Kommunen als Arbeitgeber gerade bei den „heiß umkämpften“ Ingenieuren punkten?
Dr. Bernhard Langenbrinck: In heutiger Zeit ist das Entgelt nicht mehr der allein maßgebende Aspekt, um sich für eine Beschäftigung im kommunalen öffentlichen Dienst zu entscheiden. Für viele Beschäftigte spielen ein „sicherer Arbeitsplatz“ oder auch die Frage der Familien- und Lebensplanung eine große Rolle. Flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind bei kommunalen öffentlichen Arbeitgebern regelmäßig besser umsetzbar als bei privaten Arbeitgebern. Durch die neu vereinbarte Entgeltordnung für den kommunalen öffentlichen Dienst sind berufliche Karrieren – gerade auch für Quereinsteiger - besser als bisher gestaltbar. Last but not least wird angesichts des Trends einer abnehmenden Rentenhöhe in der gesetzlichen Rentenversicherung auch die Bedeutung der betrieblichen Altersversorgung steigen. Hier kann sich die tarifvertraglich vereinbarte betriebliche Altersversorgung im öffentlichen Dienst wahrlich sehen lassen.
i2fm: Haben Sie Anhaltspunkte, was die Schaffung neuer Stellen in den Kommunalen Immobilienbereichen angeht?
Dr. Bernhard Langenbrinck: Vor dem Hintergrund der Wohn- und Verkehrssituation in den Kommunen rückt der „kommunale Immobilienbereich“ auch in der Stellenplanung der Kommunen immer stärker in den Fokus. Die Kommunen wissen, dass in der Stadtplanung und -entwicklung viele Projekte ins Stocken geraten, weil häufig eine Personalausstattung nicht in ausreichender Art und Weise gegeben ist. Der Bereich des kommunalen Immobilienmanagements wird aber – wie gesagt - genauso wie andere kommunale Bereiche nachhaltig vom derzeitigen Fachkräftemangel betroffen. Hier gilt es daher durch gezielte Arbeitgeberkampagnen, durch Jobbörsenmodelle, aber auch durch einen zielgerichteten Einsatz der „Fachkräftezulage“ einem Personalengpass gegenzusteuern.
i2fm: Ihre Prognose: Wird die Personallage in den Kommunen so bleiben wie sie ist? Und wie sollten Kommunen sich darauf einstellen?
Dr. Bernhard Langenbrinck: Die Personallage in den Kommunen wird mit Sicherheit nicht so bleiben wie sie ist. Ein Umstand für eine sich verändernde Personallage stellt die demografische Entwicklung dar. Durch die in absehbarer Zeit stattfindenden Abgänge der sog. geburtenstarken Jahrgänge in die Ruhestandsphase werden sich erhebliche Wiederbesetzungsbedarfe ergeben. Neue Personalentwicklungsstrategien, intensive Ausbildungsbemühungen und die Gewinnung von Quereinsteigern werden daher an Bedeutung gewinnen. Weitere erhebliche Umbrüche bei den kommunalen Arbeitgebern werden sich im Übrigen durch die Digitalisierung von Arbeitsprozessen ergeben. Viele Servicetätigkeiten werden zukünftig mit Hilfe digitaler Prozesse erledigt werden. Auf die Mitarbeiter der Zukunft werden daher verstärkt Fragen der gehobenen Sachbearbeitung sowie Leitungs- und Führungsaufgaben zukommen. Angesichts der sich verändernden Personallage werden sich Arbeitgeber insofern sicherlich nachhaltig auf die Aspekte der Personalentwicklung und Qualifizierung einzustellen haben; andererseits wird von Beschäftigten die Bereitschaft zur Aus- und Fortbildung während ihrer beruflichen Kariere gefordert sein.
i2fm: Sehr geehrter Herr Dr. Langenbrinck:, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i2fm.

  Sie treffen Dr. Bernhard Langenbrinck auf Kommunaldialog Entlastung! am 22. November in Oberhausen.
s kommunaldialog entlastung 2018 interview josef spitzer

Wenn jeder an sich denkt, ist ja an alle gedacht?!

Bauherrenaufgaben & Projektsteuerung

„Wenn jeder an sich denkt, ist ja an alle gedacht?!“ Manchmal scheint es, als ob Projekte genau nach diesem Motto ablaufen würden. Als ob es schon irgendwie funktionieren würde, wenn alle Beteiligten einfach ihren Teil beitragen. Gründe dafür sind zum Beispiel in der Not der dünnen Personaldecken zu suchen. Dass der Aufbau der HOAI die übergreifende Projektsteuerung als lästigen Zusatzkostenfaktor erscheinen lässt, tut sein übriges dazu. Da scheint Aufklärungsarbeit und gute Organisation not zu tun. Deshalb haben wir mit Josef Spitzer, Stadt Dortmund, über Bauherrenaufgaben und Projektsteuerung gesprochen.

i2fm: Herr Spitzer, Sie sind bei der Stadt Dortmund zuständig für das Projektmanagement im Bereich der Städtischen Immobilienwirtschaft. Was sind eigentlich Bauherrenaufgaben?
Josef Spitzer: Grundsätzlich ist der Bauherr der Auftraggeber eines Bauprojekts. Er ist für das Projekt verantwortlich und trägt somit auch das Projektrisiko. Im Rahmen seiner Bauherrenaufgabe ist er für die Wahrnehmung der Projektleitung verantwortlich und er ist der zentrale Ansprechpartner im Innenverhältnis.
Die Erfüllung seiner Aufgaben und Pflichten ist die Grundlage für erfolgreiche Projekte. Bauherrenaufgaben unterteilen sich in einen „nicht delegierbaren“ und einen „delegierbaren“ Bereich.

Zu den „nicht delegierbaren“ Bauherrenaufgaben gehört es, alle Vorgaben zu Zielen, Terminen, Kostenrahmen und Qualität der jeweiligen Maßnahme vorzunehmen. Das heißt, dass der Bauherr dafür verantwortlich ist, dass ein qualifiziertes Bedarfsprofil für die Baumaßnahme entwickelt wird. Das stellt die ordentliche Planung eines Baus sicher. Dadurch bekommt man die Planänderungen in den Griff. Das sind die häufigsten Kostentreiber.

Der Auftrag für Baumaßnahmen sollte ganz am Anfang schon sehr detailliert. Das stellt die Finanzierung sicher und auch das Anforderungsprofil für Generalplaner, Architekten und Projektsteuerer. Letztlich folgt dann auch die Beauftragung der Planungsbeteiligten durch den Bauherren und die vertragliche Vereinbarung. Also kurz, der Bauherr führt das Projekt, entscheidet letzten Endes und überwacht die festgelegten Projektziele.

Insbesondere bei Förderprogrammen muss der Bauherr auch sicherstellen, dass ein übergeordnetes Controlling vorhanden ist, um die Programme rechtskonform umzusetzen. Das sind all die Bauherrenaufgaben, die man nicht delegieren kann.
i2fm: Das heißt, der Bauherr steht im Innenverhältnis dafür gerade, dass Kosten-, Zeit-, und Qualitätsvorgaben eingehalten werden.
Josef Spitzer: Genau.
i2fm: Und bei Abweichungen?
Josef Spitzer: Die Gründe für Abweichungen sind vielschichtig. Wenn die Aufgaben nicht so erfüllt werden, wie sie zu erfüllen sind, dann laufen die Kosten und Termine oft aus dem Ruder, dann werden Ziele nicht wesentlich erfüllt. Das trifft in der öffentlichen Hand leider vielfach zu. Es ja auch ein breites Spektrum an Projekten, an dem wir arbeiten.
i2fm: Was ist Projektsteuerung in Abgrenzung zu den Bauherrenaufgaben?
Josef Spitzer: Unter die Projektsteuerung fallen die ganzen delegierbaren Bauherrenaufgaben. Sie dient als Unterstützung zur Erreichung der vom Bauherrn vorgegebenen Ziele. Grundsätzlich soll die Projektsteuerung die Aufgabe ausführen, Qualitäten, Kosten, Termine sicher zu stellen. Das ist die Grundleistung. Insbesondere wenn es darum geht, die Leistungskontrolle und Qualitätssicherung in der Prüfung der Leistungsverzeichnisse vorzunehmen. Darin liegt häufig ein großes Potenzial an Nachträgen. Dazu müssen die Ziele eines Projektes im Vertragsverhältnis zum Projektsteuerer detailliert beschrieben sein.

Die Projektsteuerung stellt einen kontinuierlichen Informationsfluss im Rahmen eines Berichtswesens sicher und bereitet die Entscheidungsvorlagen im Laufe eines Projektes vor.

Die Projektsteuerungsleistung kann ich intern erbringen oder extern einkaufen. Das ist zweitrangig. Wichtig ist, dass der Bauherr selbst über die Steuerungskompetenz verfügt. Es ergibt keinen Sinn, externe Projektsteuerungsleistung einzukaufen, wenn man die Steuerungsleistung nicht beurteilen kann. Es gibt technische Projektsteuerungsanteile und kaufmännische. Insbesondere die kaufmännischen Anteile, also Kosten, Controlling, Liquiditätsplanung et cetera, sollten aus meiner Sicht in Kommunen in der eigenen Hand behalten werden. Das ist insbesondere wichtig bei der Abwicklung von Fördermaßnahmen. Fakt ist natürlich, dass Projektsteuerung, also die Bauherrenaufgaben, keine HOAI-Leistungen sind, sondern AO Leistungen.
i2fm: Ist das des Pudels Kern?
Josef Spitzer: Ja, das ist ein entscheidender Punkt des fehlenden Verständnisses für die Projektsteuerung innerhalb der öffentlichen Hand. Die HOAI-Leistungen von Architekten oder Ingenieurbüros ersetzen nicht die notwendige Steuerungsleistung in einem Projekt. Die Projektsteuerungsleistung ist eine maßgebliche Unterstützung für den Bauherren, um den Projekterfolg sicherzustellen. Das sollte nicht als lästiges „on top“ betrachtet werden.

HOAI-Leistungen müssen geführt werden. Das sind keine Selbstläufer. Oft glauben aber Bauherren, sie beauftragten doch ein Architekturbüro oder machten einen Wettbewerb und dann hätten sie einen Architekten an der Hand, der das schon alles baut. Hier ist eine viel engere Führung gefragt.
i2fm: Wie kommt es zu dem Fehlverständnis der eigenen Bauherrenrolle?
Josef Spitzer: In vielen Kommunen ist die Denkweise HOAI-lastig. Kommunen haben früher auch schon selber geplant, selber gebaut, aber das Thema Projektmanagement war kaum im Fokus.

Dabei haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte die Anforderungen und die Komplexität der Projekte um ein Vielfaches erhöht. Da reicht es nicht mehr, nur die HOAI-Leistungen zu erbringen.

Es ist wichtig die Voraussetzung für ein qualifiziertes Steuern zum Projektbeginn schon zu schaffen, sonst starten die Projekte schon mit einem Schiefstand. Und diese Fachkompetenz muss man überhaupt nicht immer extern einkaufen. Die Kommunen sollten sie im eigenen Hause vorhalten, damit die Externen dann auch entsprechend die Projekte leiten können. Die Fachkompetenz der Projektleitung gehört zum Bauherrn.
i2fm: Sehr geehrter Herr Spitzer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen, i2fm.

Sie treffen  Josef Spitzer auf dem Kommunaldialog Entlastung! am 22. November in Oberhausen.
s kommunaldialog zukunftssicher 2019 interview sigurd trommer

These: Es wird häufig am Bedarf vorbei gebaut und Bestand vorgehalten!

Sigurd Trommer hat dazu eine andere Meinung und einige Empfehlungen für die kommunalen Verwaltungen. Trommer (74) ist unter vielem anderen Stadtbaurat a.D. der Stadt Bonn und Präsident a.D. der Bundesarchitektenkammer. Er ist heute aktiv in der Bundesstiftung Baukultur. Er sieht die Dinge anders und hat Empfehlungen für gute Entscheidungsvorlagen zwischen Verwaltung und Politik.

i2fm: Herr Trommer, wie stehen Sie zu folgender These: "Es wird einfach zu häufig am Bedarf vorbei gebaut – in Kommunen, aber auch überall sonst"?
Sigurd Trommer: Pauschal würde ich das so nicht stehen lassen. Man muss ja zum Beispiel die steuernde Wirkung der Förderprogramme von Bund und Ländern mitbedenken. Kommunen sind gut beraten, wenn sie sich planvoll an solchen Programmen beteiligen. Gleichzeitig ist der Reiz aus den Förderprogrammen nicht immer zu 100% deckungsgleich mit dem individuellen Bedarf.
Wir reden ja über die dicken Bretter: Bildungsinfrastruktur, soziale Infrastruktur oder auch technische Infrastruktur, auf die sich die Grundlagenprogramme beziehen – also mehrjährige Programme für Kitas, Schulen, Sozialeinrichtungen. Die erfordern einen unglaublichen Arbeitsaufwand, der oft durch das Tagesgeschäft überlagert ist. Und gleichzeitig tut sich Politik schwer mit den großen Bedarfsermittlungen, weil das einfach ungeheuer umfangreiche Dinge sind, und auch noch mit einem Entscheidungshorizont weit über mehrere Wahlperioden hinaus. Hier muss Verwaltung sorgsame Arbeit leisten in der Vorbereitung der Bedarfsermittlung.
i2fm: Was heißt das konkret für die Arbeit der Verwaltung?
Sigurd Trommer: Dass man geschickter und klüger mit der Bedarfsermittlung umgehen muss. Im planerischen Bereich haben wir ja früher immer gespottet, dass es doch eigentlich einfach sei, Schulbedarf zu planen. Man weiß ja immer mindestens 6 Jahre vorher, wie viele Kinder geboren werden und wann der Einschulungstermin ist. Was ich mir wünschen würde und Politik gut gebrauchen könnte, wäre eine Bedarfsermittlung, die nach klaren Regelungen aufgebaut ist. Aber noch wichtiger wäre eine sehr, sehr kluge Kurzfassung in der Darstellung einer Bedarfsermittlung.
Verwaltung braucht da ein gutes Durchhaltevermögen. Wie oft wird von den jeweiligen Oppositionsparteien mehr Umfang gefordert, als ob die schiere Länge eines Dokuments etwas bedeuten würde. Am besten wäre eine doppelte Aufbereitung, einmal Langfassung, einmal Kurzfassung.
i2fm: Was sind die wesentlichen Informationen einer guten Entscheidungsvorlage?
Sigurd Trommer: Eine solche Entscheidungsvorlage muss zwei Fragen beantworten können: Was wird von uns in den nächsten Jahren verlangt?
Was müssen wir tun, um diesen Bedarf zu befriedigen? Und das heißt: Grundstücke, Finanzmittel für die Erstellung und langfristige Zurverfügungstellung von Finanzmitteln für Bauunterhaltung, Modernisierung usw.
Das muss in relativ kurzer knapper Form aufbereitet werden.
i2fm: Und dann kommt der Fluch der ersten Zahl. Entscheidungsvorlagen stehen unter Zeit- und Belastbarkeitsdruck und am Ende des Tages wird man auf eine „zu früh“ genannte Zahl festgenagelt. Was tun?
Sigurd Trommer: Das ist in der Tat ein riesiges Problem. Ich empfehle, nach Grundsatzahlen, also empirischen Zahlen, zu arbeiten, die in der Literatur gut dargestellt sind. Die gibt es für Erstellung, Bauunterhaltung und Modernisierung. Natürlich finden Sie dann Minimal-, Maximal- und Mittelwerte mit teils erheblichen Spreizungen. Da sollte man sich nicht scheuen, eben diese Spreizungen immer auch darzustellen. Sprich: Das ist die mittlere Zahl und die kann noch mit einem gewissen Prozentsatz nach oben oder unten abweichen.
Das muss man Politik deutlich machen! Damit wird auch der häufige Vorwurf hinfällig, es würde unseriös gearbeitet. Dem haben sich schon viele Verwaltungen ausgesetzt gefühlt.
i2fm: Und wie stehen Sie zu These Nr. 2: „Es wird auch am Bedarf vorbei Bestand vorgehalten“?
Sigurd Trommer: Nein, das sehe ich überhaupt nicht so. Mit vielen Dingen aus dem Bestand erhält man sich auch den Spielraum für Zufälle, Ideen und Identifikation. Ideen, die eine Stadt hat, die mit dem Bedarf möglicherweise erst mal nichts zu tun haben, können sich auf einmal für die Stadtentwicklung besonders positiv bemerkbar machen. Stadt ist ein lebender Organismus. Da gibt es auch mal ungeplante Dinge, die sich im positiven Sinne unglaublich auf eine gedeihliche Zukunft auswirken.
Es geht doch auch um die Frage, ob eine Stadt in der Lage ist, eine gute Stimmung zu erzeugen mit Unternehmen und Bürgern. Ich habe das in Bonn erlebt, als Berlin als neue Hauptstadt beschlossen wurde. Da war erst mal eine sehr trübe Stimmung in Bonn. Uns ist es aber gelungen, das alles zu drehen nach dem Motto: Wir packen das. Da hat die Stadt eine ganz große Rolle gespielt.
Die Frage der Identifikation der Bürger mit der Stadt ist für mich eine der entscheidensten Fragen. Insbesondere weil Städte heute nicht mehr den Bürger auf Lebenszeit haben, sondern auf Zeit. Der Bürger heute ist oft vielleicht nur 8 oder 9 Jahre da. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man Identifikation auch von einer Stadt in die Bürgerschaft, in die Stadtgesellschaft hineintragen kann. Das wiederum trägt dann dazu bei, dass eine Stadt sich positiv entwickeln kann.
i2fm: Sehr geehrter Herr Trommer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, i2fm.

Beim Kommunaldialog ZUKUNFTSSICHER am 14.11.2019 in Oberhausen ist die nächste Gelegenheit, sich über die Frage der guten Entscheidungsvorlage weiter auszutauschen.

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s kommunaldialog zukunftssicher 2019 interview andreas hemsing

Nicht nur ein Bauchgefühl: komba Studie bestätigt Zunahme gewalttätiger Übergriffe

Was Kommunen in punkto Sicherheit tun können – dazu ein Gespräch mit Andreas Hemsing, Landesvorsitzender der komba gewerkschaft nrw und stellvertretender Bundesvorsitzender der komba gewerkschaft.

i2fm: Herr Hemsing, Sie haben die Interessen vieler Mitarbeiter in den Kommunen im Blick. Wie geht es Ihren Mitgliedern?
Andreas Hemsing: In der kommunalen Welt ist vieles im Umbruch. Mit dem demografischen Wandel, dem Fachkräftemangel und der Digitalisierung stehen alle Beteiligten vor großen Herausforderungen. Auch das Thema Gewalt gegen Beschäftigte gehört bedauerlicherweise dazu. Die Auswirkungen von all dem spüren in erster Linie natürlich die Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Es kommt zu Personalausfällen, weil die Beschäftigten einfach nicht mehr können. Zu wenig Personal bei gleichbleibenden oder gestiegenen Aufgaben macht auf Dauer krank. Bei Ausfällen müssen die Aufgaben von allen Übrigen kompensiert werden. Diese Kolleginnen und Kollegen haben aber zugleich ihr eigenes Aufgabenbündel zu bearbeiten. Das sind Szenen, die sich so oder ähnlich in zahlreichen Kommunen zeigen und von denen unsere Mitglieder berichten.
Blicken wir gezielt auf die Gewalt gegen Beschäftigte. Wenn ich beispielsweise an die Beschäftigten im Ordnungsdienst, die Feuerwehr- und Rettungskräfte oder all jene mit Publikums- und Kundenverkehr denke, dann höre ich zunehmend Berichte über mangelnden Respekt sowie verbale und körperliche Übergriffe. Das darf nicht sein, da müssen wir Schutz und Unterstützungsmöglichkeiten bieten.
i2fm: Sie haben nun eine Studie vorgelegt, welche die Zunahme gewalttätiger Übergriffe auf Mitarbeiter in Kommunen untersucht. Was hat sich darin gezeigt?
Andreas Hemsing: Wir nehmen das Thema als komba gewerkschaft seit einigen Jahren kontinuierlich in den Blick. Bislang fehlten allerdings konkretere Erkenntnisse zu sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen in den Kommunen. Unsere aktuelle Studie betrachtet alle Formen von verbaler und tätlicher Gewalt. Konkreter gesprochen reicht die Untersuchungs-Bandbreite von Beleidigungen bis hin zu Handgreiflichkeiten. Gezeigt hat sich definitiv, dass Gewalt gegen Beschäftigte nicht nur ein Bauchgefühl ist. Gravierende Übergriffe sind zwar – und das zum Glück – noch seltene Ausnahmen, aber Beleidigungen und Respektlosigkeiten sind inzwischen schon fast Alltag in den Kommunen. Das zieht natürlich nicht spurlos an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorbei. Für uns ist klar, da müssen wir was tun, denn jeder Fall von Gewalt ist definitiv einer zu viel.
i2fm: Wann hat das in etwa angefangen?
Andreas Hemsing: Schwer zu sagen. Ein solches Verhalten ist vom Grundsatz her unerklärlich. Die Hemmschwellen im Umgang miteinander scheinen in den vergangenen Jahren immer weiter zu sinken, eine allgemeine Verrohung, auch und gerade in der Sprache, wird deutlich. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Art, wie in sozialen Netzwerken miteinander kommuniziert wird. Da ist ein Werteverlust zu beobachten.
i2fm: Wie haben Sie in Ihrer Studie gewalttätige Übergriffe eingeordnet?
Andreas Hemsing: Zum einen sind das verbale, zum anderen körperliche Übergriffe. Dazwischen gibt es noch Abstufungen. Zum Beispiel, wenn ein Übergriff non-verbal und körperlich auftritt. Die Wissenschaftler fassen mit dieser Mittelkategorie Fälle zusammen, wo vielleicht mit einem Gegenstand um sich geworfen wird, aber die Betroffenen körperlich nicht direkt attackiert wurden. Welche Form auch immer, jeder Angriff ist aufs Schärfste zu verurteilen.
Aber wir haben nicht nur die Arten von Gewalt, sondern auch die Auslöser dafür betrachtet. Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, die bereits im Jahr 2014 eine Vorgängerstudie für uns durchgeführt hat, war auch dieses Mal mit im Boot. Gefördert wurde die Erhebung durch das nordrhein-westfälische Kommunalministerium. Was die Auslöser angeht, gibt es, wie so oft, nicht den einen. Aus Kundenperspektive ist es zum Beispiel der Mangel an transparenten Strukturen und Arbeitsabläufen, sodass Entscheidungsprozesse nicht nachvollzogen werden. Das kann Verärgerungen auslösen. Hinzu kommen Wartezeiten oder wenig freundlich gestaltete Kundenbereiche. Summieren sich diese und andere Faktoren, dann, so hat die Untersuchung gezeigt, ist das eine mögliche Triebfeder für Übergriffe.
Wie gesagt, es gibt viele Ursachen und Auslöser. Jede Kommune ist da gefragt zu evaluieren, wo bei ihr das Gefahrenpotenzial besteht. Dieses lässt sich mit entsprechenden Maßnahmen reduzieren, um ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen.
Letztlich handelt es sich bei diesem Thema um eine Querschnittsaufgabe. Arbeitgeber und Dienstherren, Bürgerinnen und Bürger, Verbände und Politik müssen an einem Strang ziehen und zeigen, dass wir diese Verrohung nicht stillschweigend tolerieren, sondern uns dagegen stellen, wo wir nur können.
i2fm: Was empfehlen Sie Kommunen, damit sie ihren Mitarbeitern ein Arbeitsumfeld zur Verfügung stellen, das so sicher wie möglich ist?
Andreas Hemsing: Zum einen ist es wichtig, dass man sehr viel kommuniziert. Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden muss so transparent und nachvollziehbar wie möglich gestaltet werden. Kommuniziert werden muss aber auch zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten. Da braucht es ein vertrauensvolles und wertschätzendes Miteinander, das es zulässt, nach solchen Vorfällen den Vorgesetzten über Gewaltvorkommnisse zu unterrichten und Unterstützung zu erhalten. Dazu gehört, dass jeder gewalttätige Vorfall zur Anzeige gebracht wird.
Außerdem sollten alle Vorkommnisse dokumentiert werden. Mit einer Dokumentation aller auftretenden Fälle lässt sich ein vernünftiges Deeskalierungsprogramm festlegen mit notwendigen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Entscheidend ist auch, dass die Rahmenbedingungen in der Behörde stimmen. Man sollte keine Räumlichkeiten vorhalten, die Aggressivität begünstigen, sondern eine offene und freundliche Atmosphäre schaffen, die deeskalierend wirkt. Dazu zählen beispielsweise Wartezonen mit einer hohen Aufenthaltsqualität.
Weitergehend müssen natürlich Schutzmaßnahmen eingerichtet werden wie wiederkehrende Alarm- und Notfallübungen. Feueralarmübungen finden regelmäßig statt, aber bei Gewalt gibt es noch zu wenig geschulte Abläufe. Die Kolleginnen und Kollegen bestätigen das. Ein Warnknopf am Computer wird eventuell eingerichtet, aber darüber hinaus passiert oftmals noch nicht viel. Sie alle müssen aber wissen, wie sie sich in brenzligen Situationen schützen und retten können.
i2fm: Schöne Bürgerbereiche zu schaffen prallt bei manchen Kommunen auf den eigenen Anspruch, bescheiden und sparsam in den Verwaltungsflächen auftreten zu wollen. Und knappe Mittel sind auch ein viel gehörtes Argument.
Andreas Hemsing: Wir alle wissen, dass der Handlungsspielraum nur im Rahmen des Haushalts möglich ist. Aber klar ist, Ausfälle des Personals kosten richtig Geld und Fachkräfte nachzubesetzen wird zunehmend schwieriger. In den Bestandsgebäuden muss jede Kommune für sich prüfen, wie Sicherheit unterstützt werden kann. Eine Trennung zwischen den Front- und Backoffice-Bereichen ist natürlich ideal. Eine sicherere Arbeitsumgebung zu schaffen, ist aber auch in vielen bestehenden Bürogebäuden möglich – ohne dass die Kommune gleich zur Festung wird.
i2fm: Sehr geehrter Herr Hemsing, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führte Katja Bilski-Neumann, i2fm.

Sie treffen Andreas Hemsing auf dem Kommunaldialog ZUKUNFTSSICHER am 14.11.2019 in Oberhausen.

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kurzer Ergebnisüberblick

zu den Diskussionstischen des Kommunaldialogs „Fördermittel bekommen & sinnvoll einsetzen“


Thementisch: Checkliste - Orientierungsrahmen für gute Immobilienentscheidungen
  • Am Tisch wurden Empfehlungen für Grundsatzentscheidungen zusammengetragen, wie z.B.: „Keine Fördermittel um der Inanspruchnahme willen“
  • Die EINE Checkliste für Immobilien- und damit Fördermittelentscheidungen, kann es nicht geben - vielmehr sollten Anwendungsfälle einer Checkliste vorangestellt werden, wie z.B.: „Notfall“, „Wunschfall“, „Regelfall“, …
  • Auf der linken Seite des dazugheörigen Fotos sehen Sie die Kriterien, die die Diskussionsgruppe auf eine Checkliste setzen würde

Thementisch: Auftraggeber-Profil für das bedarfsgemäße Projektieren
  • Startpunkt der Diskussion: Es ist ein Konzept gefunden, wie man in einem Bestandsgebäude weniger Quadratmeter für die Nutzung benötigen würde. Wie geht es dann mit allen Akteuren gemeinsam weiter?
  • Der kommunale Auftraggeber muss in drei Kategorien mit seinen Mitstreitern (Architekten, Nutzer, Mitarbeiter, Finanzbereich) „reden können“: Nutzung & Bedarf/ Bau & Technik/ Wirtschaftlichkeit
  • Er muss zwischen den folgenden Bereichen „übersetzen“ können: Bedarfe in Qualitäten für Räume übersetzen, diese in Raumprogramme übersetzen, diese dann in Mengen der betreffenden Infrastruktur

Thementisch: Fördermittel und den Blick auf Betrieb in Einklang bringen
  • An diesem Tisch ging es um die Kernfrage, mit welchen Argumenten der Immobilienverantwortliche in die Diskussion mit politischen Entscheiden gehen kann, wenn Fördermittel locken, aber der Betrieb wirtschaftlich nicht abgebildet werden kann - die Reihe der Argumente sehen Sie auf dem entsprechenden Foto

Thementisch: Anforderungen schnell erfassen und mit den Ergebnissen weiterarbeiten
  • Die Runden an diesem Tisch waren zweigeteilt
  • Runde 1 diskutierte vornehmlich, wie Entscheidungen überhaupt gefällt werden und was hier weiterbringt (z.B.: Abweichungskorridore von „Zahlen“ in den Griff bekommen, sodass das Risiko zu früh mit einer "Zahl rausgekommen zu sein“ beherrschbar wird; taktisches Schnüren von Maßnahmenpaketen; Transparenz …)
  • Runde 2 diskutierte vor allem über die Frage, wie man die Methode in die eigene Systemlandschaft integriert und zur weiteren Digitalisierung des eigenen Bereichs im Ganzen nutzen kann

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Wann & wo?

Der Kommunaldialog 2019

14.11.2019, TZU Oberhausen

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Fördermittel bekommen & sinnvoll einsetzen

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Ansprechpartner

i2fm ansprechpartner bilski neuman
Katja Bilski-Neumann Geschäftsfeldleiterin Kommunikationsplattformen
+49 (0) 208 594 87 19 10
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